Samstag, 13. Juli 2013

Als geil noch knorke war ...

Ich lese gerne Romane, die in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts geschrieben wurden. Mir gefällt die deutsche Sprache jener Zeit, die sich doch stark von dem jetzigen Alltagsslang unterscheidet.

Aktuell habe ich gerade diesen Roman beendet:

http://www.amazon.de/Junge-Leute-Stadt-ebook/dp/B008BF36SY/ref=sr_1_2?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1373777512&sr=1-2&keywords=rudolf+braune

Der Roman dreht sich um Arbeiter und kleine Angestellte, die so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Man kann also vermuten, dass der Autor den damaligen Umgangston ganz passend getroffen hat, denn schließlich hat er sich selbst in diesem Milieu bewegt. Geil hieß damals knorke, das dürfte sich ja schon herumgesprochen haben (und auch der Begriff geil ist ja inzwischen schon ziemlich abgegriffen und wird gewiss bald neue Entsprechungen finden). Als beleidigende Bezeichnungen für Polizeibeamte benutzte man in den Zwanzigerjahren offenbar nicht das Wort "Bullen", sondern "Bluthunde" oder "Kosaken" ... man könnte noch zahlreiche andere Beispiele anführen.

Alltagssprache ist immer zeitgebunden. Wenn ich einen Roman schreiben würde, der in den Zwanzigerjahren spielt, dann müsste ich bei den Dialogen auf eine entsprechend überzeugende Sprache achten. Wenn man die Begriffe nicht kennt, dann muss man sie sich eben möglichst stilsicher ausdenken ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen