Sonntag, 28. Juli 2013

Die Wiedergeburt des Heftromans

Der sogenannte Groschenroman entstand ja bekanntlich in einer Zeit, als das gebundene "gute Buch" dem bourgeoisen Elitenleser vorbehalten war. Durch verunglimpfende Bezeichnungen wie "Hintertreppenroman" entlarvten bildungsarrogante Feuilletonisten ihre eigene Verachtung gegenüber ärmeren Bevölkerungsschichten, die sich die hochgeistigen Lesestoffe schlicht und einfach finanziell nicht leisten konnten.

Ich lese gerade einen äußerst spannenden - wenn auch nicht rechtschreibfehlerfreien - Thriller, der als Selfpublishing-Ebook für 2,68 Euro erhältlich ist. Mit anderen Worten: Man bekommt einen 300-Seiten-Roman für den Preis von einer großen Tasse Kaffee. Diese Relation zwischen Kaufpreis und Lesevergnügen ist es, die in früheren Zeiten auch immer schon den Heftroman ausgezeichnet hat. Bei durchschnittlicher Lesegeschwindigkeit dauert der Konsum eines 64-Seiten-Heftromans ungefähr so lange wie das Anschauen eines Spielfilms, nämlich ca. 90 Minuten. Dabei ist der Kaufpreis von 1,50 Euro gegenüber einer Kinokarte natürlich unschlagbar günstig ... Die Konkurrenz an Unterhaltungsmedien ist groß und wird immer größer.

Heftromane mussten immer das Lesepublikum überzeugen, niemals die Literaturkritiker. Wenn heutzutage ein (Selfpublishing) Ebook in den Charts hochklettert, dann mag das natürlich auch an PR-Maßnahmen liegen; aber als Autor kann man auf die Dauer nicht gegen den Lesegeschmack des Publikums anschreiben.

Aber warum sollte man das auch tun, wenn man in erster Linie unterhalten will?

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